Archiv für September 2012

Die deutsche Asylpolitik treibt Flüchtlinge in den Suizid


Zwei junge Männer im Alter von 22 und 24 Jahren in dem Flüchtlingslager in Weiden haben am Samstag Morgen versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie wurden daraufhin in die geschlossene Abteilung des Wöllershof Bezirksklinikum eingewiesen.

Einer ihrer Freunde nutzte die vorgeschriebenen zehn Minuten Besuchszeit, um von ihnen persönlich zu erfahren, warum sie es getan haben. Sie entgegneten, dass sie erschöpft seien vom Lagerleben in Weiden und von all dem, was sie in den letzten 20 Monaten, in denen sie auf eine Antwort ihres Asylantrags warteten, erlebt haben. Sie mussten in der Unterkunft auf engstem Raum zu viert leben. Sie waren immer wieder rassistischem Verhalten nicht nur durch die Ausländerbehörde und durch die Polizei ausgesetzt, sondern auch durch die Stadtbewohner_innen.
Die Flüchtlinge werden zu ausbeuterischer Arbeit wie den so genannten Ein-Euro-Jobs verdonnert, ohne die sie nicht einmal Anspruch auf ihr Taschengeld gehabt hätten.

So wurde dieses Lager immer mehr zu einem Gefängnis, außerhalb dessen Mauern keinerlei Unterstützung von Behörden oder anderen Stellen zu erwarten war. Alleingelassen in dieser verzweifelten Situation ist diesen jungen Menschen als letzter Ausweg nur die Selbsttötung in den Sinn gekommen. Tatsächlich sind dies keine Einzelfälle, was uns zuletzt der Selbstmord von Samir Hashemi am 4.September in Kirchheim in der Nähe von Stuttgart ins Gedächtnis gerufen hat.

Dass viele Asylsuchende unter Depressionen leiden und Selbstmordgedanken haben, ist vielen Behörden und Heimleitungen bekannt.
Dennoch werden keine konkreten Maßnahmen ergriffen. Noch viel schlimmer: Durch den Druck, der immer weiter aufgebaut wird, werden sie oft in den Selbstmord getrieben. Diese Atmosphäre der Angst und absoluten Verzweiflung werden systematisch erzeugt und die bittere Konsequenz daraus billigend in Kauf genommen.

Nach dem Selbstmord von Mohammad Rahsepar Anfang des Jahres und den darauf folgenden monatelangen Straßenprotesten haben Flüchtlinge am 8. September den Protestmarsch nach Berlin begonnen, um eben diese menschenverachtende Behandlung durch den deutschen Staat und Degradierung zu Menschen zweiter Klasse zu bekämpfen.

Und so sprechen wir zu euch: Ihr seid nicht allein! Nehmt diese Situation nicht einfach hin!
Wehrt euch, schließt euch uns an und lasst uns gemeinsam unsere Rechte als Menschen erkämpfen!

(text by: http://asylstrikeberlin.wordpress.com)

Protestmarsch der Flüchtlinge hat begonnen!


Der Suizid des iranischen Flüchtlings Mohammad Rahsepar im Würzburger Flüchtlingslager am Anfang dieses Jahres hat bundesweite Proteste von Flüchtlingen ausgelöst. Nachdem Flüchtlinge aus Würzburg mit einem monatelangen Protestcamp in der Innenstadt auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam machten, folgten Asylsuchende aus neun Städten ihrem Beispiel.
Immer wieder traten Flüchtlinge hierbei in den Hungerstreik.

Für den 8.09. wurde diesbezüglich eine Solidaritätsdemonstration mit über 400 Menschen und ein anschliessender Protestmarsch von Würzburg nach Berlin gestartet.

Gemäss des Plans vom Organizations-Komitee, versammelten sich am 8. September 2012 Flüchtlinge begleitet durch andere Protestierende aus ganz Deutschland am Zelt der Asylsuchenden in Würzburg und starteten ihre Protestdemonstration. Die Teilnehmer_innen, die mit mehr als 400 Personen zu beziffern waren, riefen Parolen, wie „Kein Mensch ist illegal“ , „Stoppt die Abschiebung“, „Schafft den eingeschränkten Bewegungsradius ab“. Sie setzten ihren Weg entlang der von der „Logistikgruppe“ vordefinierten Strecke Richtung stadtauswärts fort.
Es ist zu erwähnen, dass die aktive Teilnahme von Demonstranten und Presse entlang der Demonstrationsstrecke, jede Einmischung der Polizei oder die Festnahme der Flüchtlingen, die sich ausserhalb der erlaubten Bewegungsradius ihres Asylheimes befanden, verhinderte. Die Demonstration endete am „Real Parkplatz“ der Stadt Würzburg.
Während der Veranstaltung kamen über 1000 Euro Spenden zusammen. Das Geld soll für zukünftige Anwalts- und Gerichtskosten verwendet werden.
Mit der Beendigung der Demonstration, ist der Fussmarsch Richtung Berlin in die Realisierungs-Phase eingetreten. Eine Gruppe aus 70 Personen, die aus protestierenden Flüchtlingen und Aktivist_innen im Bereich Asyl, startete den Fussmarsch Richtung der Stadt „Bitbach“, die 24 Kilometer von Würzburg entfernt liegt. Eine zweite Gruppe startete die „Bus-Route“ und wird an diesem ersten Tag die Strecke Würzburg–Frankfurt hinter sich bringen.

Demonstration am Samstag..

Protest-Camp Würzburg..

Gedenken an Mohammad Rahsepar..

Wir wünschen den Protestierenden viel Erfolg und solidarisieren uns mit ihrem Anliegen, die Abschaffung der Residenzpflicht für Flüchtlinge, Asylverfahren zu beschleunigen, dezentrale Unterbringung zu ermöglichen, den Flüchtlingen ein Recht auf Arbeit zuzugestehen und ihre medizinische Versorgung sicherzustellen.
Für ein selbstbestimmtes Leben!

„Wir beginnen diese Reise, um uns selbst, den restlichen Asylsuchenden, den Bürgern und der Regierung selbst zu beweisen, dass unsere unterdrückten Körper gemeinsam die Macht haben, uns zu unseren Rechten zu führen.“
Aus der Erklärung zu dem Protestmarsch

Info:
http://asylstrikeberlin.wordpress.com/

http://www.refugeetentaction.net/index.php?lang=de

http://www.thecaravan.org/

http://antirawuerzburg.blogsport.de/